Piemont 2007
Schötterchen im Piemont!
Das Piemont – zweitgrösste Region Italiens nach Sizilien. Grenzgebiet nach Frankreich. Heiss umkämpft zu Mussolinis Zeiten und vorher, gleichzeitig aber auch verschlafen und scheinbar vergessen von der Geschichte. Römer haben sich hier getummelt, Habsburger, Franzosen… sie alle waren dort und gingen wieder. Zurück blieb eine durch Landwirtschaft, Weinanbau und karge Bergwelten geprägte Landschaft von einzigartiger Schönheit.
Zwar ist mittlerweile längst die Tourismusindustrie auf das Piemont sowie das angrenzende Ligurien aufmerksam geworden und allerorten tauchen die gleichen Probleme auf: Zu viele Menschen teilen sich zu wenig freien Raum und nehmen zu wenig Rücksicht aufeinander und auf die Natur. Dies führt dann zu immer rigoroseren Massnahmen der Regierung – ein Teufelskreis, der sich weltweit dreht.
Dennoch lockte es mich sehr, mich für eine Fahrt anzumelden, die mein guter Kollege Marc vor Jahresfrist ausschrieb: Eine Endurotour durch Gebiete im Piemont!!! Die anfänglich angedachte Route wurde verworfen und etwas entschärft, so dass es vergangenes Wochenende nun hiess: Auf nach Cuneo, eines der piemontesischen Zentren! Dort wurde im Hotel Palazzo Lovera Quartier genommen.
Aber moment – beginnen wir doch ganz am Anfang!!
Den eigentlichen Tourstart gab es ja nicht im Hotel, sondern viiiel weiter nördlich – genauer gesagt, am „Fressbalken“ in Würenlos: Hier hatte ich mich mit einem weiteren Teilnehmer verabredet. Und so begann unser Autobahnraststätenmarathon – nächster Halt Grauholz: Nach Dominic stiessen nun Remo und Ändu dazu: Zwischenstand Affentwin – GS: 2:2! OK, weiter.
Nächster Halt war dann La Gruyere, wo sich weit vor der zeit (und den Tourguides) bereits die gesamte Truppe versammelt hatte. Nervosität? Ach wo – bestimmt einfach nur gute Planung J
Und nachdem unsere Teamchefs in Sichtweite der Zapfsäulen ihre diversen Morgenzigaretten vernichtet hatten und die ersten Mechanikerhandgriffe getätigt waren, konnte es beginnen, das grosse Abenteuer.
An dieser Stelle möchte ich mich für das grosartige organisatorische Talent von Mot-on Tour bedanken! Es ist sicher nicht einfach gewesen, die italienischen Behörden dazu zu bewegen, die Baustelle auf der St.Bernhardtrampe in der ganzen Zeit seit meinem Ferienbeginn 3 Wochen zuvor völlig unverändert zu belassen, so dass die Angefressenen unter uns (ich) schon gleich dort ein schotteriges Erlebnis haben konnten J
Nach diesem ersten highlight und den ersten Frösteleien (Schnee auf der Passhöhe) begann dann auf der nächsten Raststätte ein flotter Strip! Töffkleider runter, Funktionswäsche aus, Töffkleider an! Hitzewellen brandeten uns entgegen! Ich hatte kein Thermometer dabei – aber ein Unterschied von etwa 25 Grad zur Passhöhe ist sicher nicht übertrieben!!! Und so gibg es dann sommerlich weiter… von Tankstop zu Tankstop. Ich hatta ja vor, mein schier unerschöpfliches Repertoire an Bosheiten gleichmässig auf die zwei Affentwins zu verteilen (Triumphs waren nicht dabei und über Cagivas macht man keine Witze…), aber der Tank der HP2 ist schlicht eine Frechheit! EinBike, das aussieht wie ein echter Töff – mit martialischer Farbgebung, knackigen Boxerohren, kernigem Rahmen und sattem Klang (von Power mal ganz zu schweigen) und dann eine solche Konfirmandenblase – das nenne ich mal Gewichtstuning in seiner dümmsten Form!!! Gut, wegen unserer Nikotin- und Koffein-Junkies hätten wir eh oft halten müssen, aber dennoch – Mühsam!!! Gut war keine Pegaso dabei…
Irgendwann dann das Schild:
Cuneo!!!
Das Ziel in greifbarer Nähe musste nur noch…schnell getankt werden…und dann stand er vor uns – der angesprochene Apero, den das Hotel für uns bereitet hatte. Schnell war die anstrengende Fahrt vergessen – bei einem Bierchen und leckeren Häppchen sowie Wein satt wurden die Abenteuer besprochen, die wir wohl noch erleben würden…
Ganz offensichtlich ist das Hotel Palazzo ein sehr fortschrittliches Haus! So bekam ein gemischtgeschlechtliches Paar zwei Einzelbetten zugeteilt, während haegi und ich – beides bekennende Heteros – in den Genuss nicht nur eines gemeinsamen Bettes, sondern auch einer gemeinsamen Decke kamen!!! Donnerwetter! Italien kommt in die Moderne…
Solchermassen zur Ruhe gebettet konnte ich gar nicht anders als am nächsten Morgen zeitig am Frühstückstisch zu sitzen und die Nervosität zu spüren, die im Wettstreit mit meinem Hunger im Magen rumorte. Schon hier am morgen wurde aber deutlich, wie schnell wir Teilnehmer uns als Gruppe näherkamen. Gespräche gingen von Tisch zu Tisch, man war fröhlich und ausgelassen, neugierig aufeinander und auf die Tour – die nun endlich losging!
Pünktlich 9.00 ging es los Richtung Demonte. Von hier begannen wir den Aufstieg Richtung Maira-Stura-Kammstrasse (da ich diesen Bericht vom Büro aus schreibe und ihn heut noch online stellen möchte, kann ich hier nur vage Ortsangaben machen. Ich muss erst zuhause auf die Karte sehen oder jemand bitten, mir hier schnell auszuhelfen – aus dem Kopf weiss ich grade nicht mehr die Streckenführung…)
Hier begann dann das Aufwärmtraining: Wenden auf engem Raum, vorsichtiges Angasen auf losem Untergrund, Abbremsen durch abrupten Gangwechsel sowie durch Fussbremse (interessant der Vergleich beider Methoden!!!) Ganz nebenbei erste Hinweise. „ Da, wo das Gras so schön grün und hoch ist…da hat es Wasser – vorsicht beim fahren…“. Ein guter Hinweis!!! Nächster Schritt: Mit dem Töff den nahegelegenen Steilhang befahren und am Hang stoppen. Dann kontrollierter Retourgang – leicht gesagt…. Es kostet Überwindung, an einem Hang, bei dem definitiv kein Anfahren geschweige den rechtes Anhalten denkbar ist, den Motor abzuwürgen! Weshalb mir dies auch nicht gelang und ich im ICE-Tempo rückwärts den Hügel abrauschte – ein gefühl, welches ich so nicht regelmässig benötige!!! Also gut, beim nächsten Mal höre ich einfach auf Stephan! (Ein Verhalten, welches sich noch einige Male als sehr sinnvoll erweisen sollte.) Und siehe da: Ich blieb stehen! Oder hing wie ein Schluck wasser in der Kurve am Berg! Denn die Schwerkraft hatte sich fest vorgenommen, mich auf ihren Boden der Tatsachen zurückzuholen – koste es was es wolle!
Und deshalb rutschte ich auch, während Stephan – klonk – grade den anderen Teilnehmern – klonk – zeigen wollte, wie gut der Gang den Töff – klonk – am berg hält, mit vernehmbarem Klonk Stück für Stück – klonk – erneut den Hang bergab… Allerdings tatsächlich kontrolliert und beherrschbar. Weitere Erkenntnis: Ich mag das Gefühl nicht, wenn der Töff nach hinten überkippen will und ich es wegen des Tankrucksackes nicht schaffe, mehr Gewicht auf die Vorderachse zu bringen!!! Kurzerhand wurde besagter Tank- zum Gepäckbrückenrucksack – und dann klappte es auch mit dem Hang.
Später dann hochfahren. Erstmal mit Schwung, dann etwas langsamer – in der freien Wildbahn könnte ja direkt nach dem Aufstieg ein ausgesprochen steiler Abstieg erfolgen – ein jederzeit beherrsch- und beendbares Tempo war also Pflicht. Erreicht haben wir dies Ziel sicher noch nicht, aber im Kopf hatte das Szenario spätestens am kommenden Tag jeder von uns parat…
Nach diesem Auf und ab ging es auf die Piste Die Natur hatte uns grosszügigerweise mit verschieden stark gekörntem Schotter bedacht, so dass wir uns langsam an das herantasten konnten, um was es ging – das sichere Fahren auf Naturstrassen in grandioser Landschaft!
Nun teilten wir uns auf und fuhren in Kleingruppen mit unterschiedlichem Tempoanspruch eine gute Stunde vorbei an sensationellen Felsformationen, fiependen Murmeltieren, fettem Gras, kraftvoll gefärbten Blumen – und eben einer Piste, die mir als Endurofreund vermutlich soviel bedeutet wie einem Rennsemmeltreiber eine leere Autobahn: Hohe Anspannung, Adrenalin, herausforderung, grenzfindung, Spass Spass und noch mal Spass: Nachdem die ersten Herzinfarkte wegen wegrutschender Reifen irgendwie verarbeitet waren und man sich an das Gefühl gewöhnt hatte, ging es dan gleich viel leichter. Warum so kindisch an den Lenker klammern, wenn das eh nichts nützt?? Also locker nehmen und den Lenker als Lenker und nicht als Haltestange nutzen!! Plötzlich waren auch die Vibrationen weg, die sich durch die Hände bis in die Schultern und dann weiter bis in die Ei….ngeweide fortsetzten!! Das war der trick. Dem Töff die grobe Richtung vorgeben, ihn aber die Details mit den Steinen selbst kläern lassen – und die Fahrt wurde ein Vergnügen!
Bis dann beim Stop die Nachricht kam: Sturz in der 2. Gruppe! Töff kaputt, Fahrerin am Boden…
Tourguide eins fuhr betont ruhig (die roten Ohren sagten aber anderes aus..) zurück, wir anderen warteten unruhig unten, bis dann die Entwarnung kam: Verletzungen sind wohl im Rahmen. Und dann kam unsere Ursula auch schon an – auf dem Soziussitz musste sie sich mit gequetscher Rippe einige Kilometer schotterabwärts quälen. Ursula, von mir an dieser Stelle noch einmal „Chapeau“ für deine Selbstbeherrschung und deinen Durchhaltewillen während dieser Stunden. Mancher angeblich „ganze Kerl“ könnte sich an deinem kernigen Verhalten eine Scheibe abschneiden!!!
Die zweite Etappe wurde dann als deutlich schwieriger angekündigt. Selbsteinschätzung war gefragt: Will ich das noch? Mag ich noch? Kann ich noch? Die Qualität unserer Gruppe zeigte sich auch hier: Einige Teilnehmer verzichteten darauf, sich bereits am ersten Tag zu überfordern und genossen die gesammelten Eindrücke auf einer wunderschönen heimfahrt nach Cuneo. Wir anderen machten uns weiter auf den holperigen Weg – und der Weg WAR holperig!! Und steil. Und schmal. Eine Kombination, die mir gleichzeitig den Atem stocken und das Wasser im Mund zusammenlaufen liess….Diese Strecke beinhaltete auf komprimiertem raum so ziemlich alles, was ich am Motorradfahren liebe: Im ersten teil ein guter Feldweg mit Steinen, auf dem es sich prima Angasen liess – wofür hab ich denn den Stollenpneu drauf?! Bis 60 km/h waren hier durchaus drin, auch für Ungeübte. Da Sicherheit mit dem Fahren kommt, hab ich mich sehr auf Vorfahrer Stephan verlassen nach dem Motto: Ich kenne meine Grenzen, er die Strecke. Also los! Nach dem Tempo kam das Wackeln – grober und recht loser Schotter! Als wir alle die Stelle gemeistert hatten, die den Chilli jüngst zu Boden zwang, musste er natürlich anmerken, dass die Passage „…mittlerweile ja tüchtig festgefahren war…“ Ja, Chilli, natürlich. Ist doch klar J.
Puh, geschafft. Nun wurde es dann holperiger: 5 Kilometer „treppabwärts“ folgten…. Anfangs nahm ich noch Stufe für Stufe (Stufe heisst in diesem Fall Höhenunterschiede von maximal 10-20 cm – aber es klingt eben so gut..) – es holperte recht stark und war dadurch schwer zu lenken. Etwas mehr Gas führte dann dazu, nicht mehr jede Steinrippe einzeln zu spüren, sondern die Erschütterungen zu bündeln – tatsächlich hatte ich den Eindruck, so den Töff zu stabilisieren. Noch ein km/h mehr und die Fuhre wurde höllisch wackelig! Feingefühl war gefragt. Da ich aber meinen Töff mittlerweile ganz gut kenne, fand ich hier einen guten Kompromiss. Zwar verlor ich so meinen Guide aus den Augen – aber ach einem Weg ohne Abzweigungen verfahre selbst ich mich nicht!!! Irgendwann stellte sie sich dan ein – die abgeklärte Sicherheit mit dem Wissen: jetzt hab ich den Bogen raus!! Und jeder weis, dass dies im Theater immer der Augenblick für ein Drama ist! Und da das Theater das Leben imitiert – kam bei mir in genau dieser Situation i einer uneinsehbaren Linkskurve ein Matschloch! Hei – ich grüsse meine Reflexe Lenken, Bremsen, Ausgleichen und Schwitzen!!! Alle haben prächtig funktioniert!!! OK, wie die meisten meiner Nachfahrer wählte ich den schmalen Grat zwischen Pfütze und Abgrund zum Durchbalancieren (also Aussenkurve) während innen mehrere Meter fester Boden zur Verfügung standen… aber ich kam heil durch und sah mich dann einem grinsenden Stephan gegenüber – Stephan, ich mag dich auch!!! Ehrensache, dass hier ein Fotostop eingelegt wurde in der Hoffnung, dass einer von den Anderen seine Reflexe im Hotell gelassen hätte – Fehlanzeige! Selbst Ändu, der angesichts der Matschfläche die Direttissima wählte und mit einem flotten Gasgriffdreh den Dreck aus der Pfütze pflügte, erlebte das Ende dieser Passage aufrecht!!
Naja, und so schoterten wir uns dann langsam aber sich er dem Ende des ersten Tages entgegen, fuhren erschöpft und zufrieden nach Cuneo zurück – tankten…- und genossen dann bei Wein und leckerem Menü den Tag. Dass Ursula bei uns war und schon wieder lächeln konnte, wenn auch etwa bemüht, machte den Tag perfekt!
Sonntag.
Col de Tende, Colle di Tenda oder Tendapass – für Enduristi ein Muss! In Denzels Schotterbibel mit Schwierigkeitsgrad 4-5 angegeben sind diese 48 Kehren ein perfektes Warm-up für uns. Sind doch die oberen 24 ohne Asphalt, dafür aber ebenso steil wie die anderen!!! Also los, Blicktechnik, Hintern hoch (Enduristi fahren im Stehen) und Gewichtverlagerung (Enduristi lenken mit den Rasten) – so geht es für zumindest einen von uns direkt in den Graben… (Enduristi müssen viel üben…). Aber eben: EINMAL!! Die anderen 47 Kehren werden von allen perfekt gemeistert!
Da dem Autor von seiner letzten Tour vor wenigen Wochen eine Spitzkehre als besonders fies in Erinnerung war (frisch aufgetragener grober Schotter in einer Linkskurve, wobei der Untergrund…ebenfalls aus Schotter besteht…), wurde exakt hier das Kamerateam installiert! Dies brachte die Neugierigen unter uns in arge Bedrängnis! Stand doch nun der innere Zwang, in jede Kamera sehen zu müssen, diametral dem äusseren Zwang entgegen, sich verdammtnochmal auf den Weg zu konzentrieren!!! Der Weg gewann, wir mussten ohne spektakuläre Sturzszenen einpacken…
Dann waren wir alle oben, genossen den Moment, die Aussicht, die Luft, die Ruhe und warteten. Und warteten. Und warteten.
Irgendwann kamen dann auch die Retter von Ursulas Töff (vermutlich musste die HP2 wieder tanken…) und wir fuhren sie – die Ligurische Kammstrasse! Etliche Kilometer lang führte sie uns in 2000 Metern Höhe auf schmalen und schmalsten Wegen vom Tendapass Richtung Meer. Und nun ging es echt ans Eingemachte! Waren am ersten tag einige Passagen schwer zu bedienen, so war doch der Moment immer schnell vorbei und die nächste Erholung in Sicht. Hier jedoch kam zu der Schwierigkeit an sich noch die Länge der Strecke hinzu! Und plötzlich kamen einem die Pausen gar nicht mehr so lang vor!!! Wenn einem irgendwann faustgrosse Steine als läppisch und Handballgrosse Brocken als Kiesel vorkommen – dann ist man „auf der Ligurischen!!“
Und wenn man dann irgendwann nicht mehr die kraft hat, den Töff auszubalancieren und sie sich ganz allmählich in den Schotter wirft – dann weiss man, dass man das Ende der eigenen Kraft vor dem Ende der Passage erreicht hat…Fazit: In solch anspruchsvollen Passagen bei leichter Ermüdung den nächstbesten Ort für eine Verschnaufpause nutzen!!
Nun, Schneekuh und ich haben unseren kleinen Ableger gut verkraftet – besser als Stephans Töff, der nun ein neues Blinkerglas braucht… (Ja, es hatte ihn kurz vorher überraschend auf die Schnitte gestrichen!!!)
Nach der Pause ging es dann auf etwas leichterem Geläuf weiter – anstrengend blieb es aber dennoch. Und zum Ausgleich für allzu losen Schotter schickte uns Mutter Natur eine ordentliche Portion Hochnebel in den Weg, der dann die Sicht auf weniger als 2 Meter breiten Spitzkehren auf etwa 5 Meter reduzierte… auch so erhöht man Spannung!!! Aber immer weiter führte uns der Pfad, Weg, Trail – nennt es, wie ihr wollt! Es ist eine Achterbahn für Erwachsene, behaupte ich. Auf, ab, links, rechts, rutschen, holpern, stolpern, schnell, langsam – wie kann Motorradfahren noch schöner sein? Passagen, in denen ich im gebremsten ersten Gang zwischen Gesteinsbrocken umherstelze, wechseln sich mit flott zu durchfahrenden Passagen im Wald ab. 20-30 cm tiefe Schlaglöcher sind nun wirklich kein Grund, die geschwindigkeit zu reduzieren!!! Und bei 50 nochmal runterschalten und den Hintermann Staub schlucken zu lassen…. Ist das Leben nicht wunderbar???? Aber irgendwann endet eben selbst ein solches Erlebnis und wir fahren auf einer wunderbaren Strasse (bestens geeignet für Supermotos – und GSsen) zurück nach Cuneo. Es folgen stolze Berichte an die Daheimgebliebenen, diverse Bierchen und ein fulminantes Abendesen, welches durch den schon traditionellen Oban beendet wurde – jedenfalls bei Serre und mir J. Man bedenke: Allein die 2 Stunden Rückweg nach Cuneo sind etwa so viel, wie manch andere Töffler als Tagestour unter die Räder nimmt! Für uns war es der Heimweg nach stundenlangem Offroaden! Der Tag hat uns alle auf seine Weise an unsere Grenzen geführt – und darüber hinaus!
Die Rückfahrt am Montag war dann nur noch ein lästiges Übel. Auch gleich schnellem Weg wie am Freitag rauschten wir im Konvoi über die Autobahn, Pause auf dem nun fast schneefreien St. Bernhard, ausreichend Regenwolken, so dass die wasserscheuen Fahrer unter uns sich in ihre Gummihaut quälten (der regen blieb dann weitestgehend aus – nur die Abwärtskehren wurden dankbarerweise nassgeplätschert, nachdem die Aufwärtsrichtung ja durch die Baustellen verkehrsberuhigt war. Toller Pass…).
Tja, und so endete dann die Tour wie sie begann: Ein Pulk von Grossenduros (etwas dreckiger als vorher), ein Pulk von Töfflern daneben (ebenfalls etwas dreckiger und viiiiel fröhlicher als vorher), versammelt auf einem Autobahnrastplatz (richtig, die HP2…)
Bemerkenswert undramatisch dann der Abschied: Wir haben uns für gemeinsames Tun getroffen, uns etwas kennengelernt und für 3 Tage toll zusammengehalten. Nun trennen sich unsere Wege und wir alle wissen, dass wir einige nie wieder sehen werden, andere vielleicht schon am nächsten Tag..und wer weiss – vielleicht trifft man sich ja doch noch einmal??? Entscheidend ist jedenfalls nicht, dass man sich nun aus den Augen verliert, sondern das, was man gemeinsam erlebt hat! Denn diese Erlebnisse, die ich hier bei aller Ausführlichkeit nur bruchstückhaft wiedergeben kann, werden uns alle sehr lange und sehr intensiv begleiten. Wie jede Grenzerfahrung! Und so markiert die LGK für mich künftig nicht nur die blutig umkämpfte und heute so unwichtige Grenzlinie zwischen Italien und Frankreich sondern auch die Grenze zwischen meinem Wollen und meinem Können. So wie es die Völker mit ihren Barrieren geschafft haben, habe ich auch meine inneren Hürden überwinden können, mich in der Sicherheit der Gruppe und der perfekten Guidance durch Chilli und Stephan getrauen können, Dinge zu versuchen, die ich wenige Wochen zuvor als Alleinfahrer noch vermieden habe.Das ist für mich der Grund, warum ich als eingefleischter Individualreisender auch künftig solche Touren mitmachen werde – bei Unternehmen wie Mot-on-Tour habe ich die Gewissheit, dass das Verhältnis von Risikobereitschaft, Spassfaktor und Sicherheitsbedürftnis so nahe an meinem eigenen Empfinden ist, als würde ich die Tour selbst organisiert haben. Nie wurde ich durch die Leiter oder Gruppenmitglieder gebremst, gegängelt oder gehetzt, immer hatte ich das Gefühl, mich in meinem eigenen Rahmen bewegen zu dürfen. Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass nicht alle Teilnehmer diesen Eindruck teilten. So kam bei der Manöverkritik am Sonntagabend zum Vorschein, dass der Schwierigkeitsgrad der Strecke eventuell etwas klarer hätte formuliert werden können und dass die Tempowahl speziell in der langsameren Gruppe noch etwas teilnehmerorientierter hätte sein können. Aber bitte: Verzeiht mir, wenn ich als Autor meinen Eindruck als Letztes anfüge!
Eine Tour mit
- klaren Informationen im Vorfeld (und das bei Chilli!),
- einem hilfreichen Roadbook mit Notfallinfos etc.,
- einem hervorragenden Hotel samt leckerem Essen und einer Tiefgarage für die Töffe)
- wunderschönen Strecken, die vom Schwierigkeitsgrad her sehr sinnvoll abgestimmt sind
- Sehr hilfreichen Tipps und Übungen zum Beginn, die eben nicht nur neue Tricks lehren, sondern auch ganz simpel Nervosität abbauen und den Führern erste Einblicke in die Fähigkeiten der Gruppe geben…
- In Krisensituationen sehr gut aufeinander eingespielten Leithammeln sowie
- technischem Staff mit riesengrossem Herz für Fahrer, denen recht keine Probleme gar allzu gross werden können, wenn sie am eigenen Töff auftauchen
kann ich mit nur einem Wort beschreiben:
Perfekt!
Danke an alle, die dazu beigetragen haben.